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Krimi-Workshop mit Meinrad Braun

Wie schreibt man einen Krimi?

Diese Frage treibt die Klassen 10 B/E im E1- Kurs schon seit geraumer Zeit um. Nachdem schon etliche Kenntnisse und Fähigkeiten gemeinsam von den betreuenden Lehrkräften Renate Malpricht und Regina Philipp eingeübt worden waren, kam die zündende Idee: „Warum nicht einen Profi einladen, einen Schriftsteller?“ Durch persönliche Kontakte konnte der Schriftsteller und Psychotherapeuth Meinrad Braun gewonnen werden. Ein Workshop wurde eröffnet.


Hr. Braun erklärt die Personenkonstellation in seinem RomanDer Autor liest aus seinem Pfalz-Krimi „Fürchten lernen“

Als erster Baustein fand eine zweistündige Autorenlesung in der Bibliothek der IGSLO am 26.  April 2010 statt. Frau Krauß-Banse hatte die Bibliothek wie durch Zauberhand in ein frühlingshaftes Ambiente verwandelt. Getränke und Plätzchen taten ihr Übriges, um die SchülerInnen in einer entspannten Atmosphäre neugierig auf den Autor einzustimmen. Viele Fragen trieben sie um.

Wie kommen Sie zu dem Anfang einer Geschichte?

Autor: Am Anfang ist ein Bild. Ich versuche, dies zu beschreiben. Von diesem ausgehend kommen neue Einfälle. Es schreibt sich weiter. Ist der Anfang tragfähig, wird es ein Buch.

Welchen Einfall hatten Sie bei dem Kriminalroman „das Fürchten lernen“?

Autor: „Vor drei Jahren hatte ich schon einmal mit einem Buch begonnen, das von Jack the Ripper handelt. Einem grausamen Mörder, der die Leichen zerstückelt. Mich faszinierte die Frage: Wie ist jemand zu so etwas fähig? Zudem, er blieb unerkannt. Aber die Geschichte ist zu populär, daher habe ich damit aufgehört. Die Geschichte ist zu bekannt.
Meine Praxis befindet sich in Bad Dürkheim und da findet der Dürkheimer Wurstmarkt so zusagen direkt vor meiner Praxis statt. Lärm und Getöse. Für mich persönlich ist das Fest negativ besetzt. Ich schließe dann immer meine psychotherapeutische Praxis.


Der Wurstmarkt ist ein Fest. Ein Fest ist immer eine Zeit, in der die Regeln nicht mehr gelten. Alles ist im Überfluss. Wein und Spiel. In der Antike gab es bei Festen üblicherweise ein Opfer, eine Bluttat. In der christlichen Eucharistie ist dieses Opfer das Lamm, das geschlachtet wird, für die Vergebung der Sünden.
So beginnt der Anfang meiner Geschichte. 

„Scharf. Scharf muss die Klinge sein. Sie braucht den Stein, Stein und Stahl, Stein und Stahl tanzen, Stein und Stahl. […] Ein kurzer, seidiger Riss. Der Schnitt. Scharf.“
Geschichten können durch die Handlung, den Plot vorangetrieben werden, bei mir geschieht dies durch die Personen. Sie betreten die Bühne. Die Handlung entwickelt sich von selbst. Natürlich wird der Plot in Stichpunkten vorher skizziert, aber die Person kann die Handlung beeinflussen. Die Personen entwickeln sich. Jede hat ein eigenes Bild. Personen haben ihren eigenen Schreibstil.
Ich werde euch nun den Anfang vorlesen. Das ist wie Kino im Kopf. Die Personen bekommen in jedem von euch ein Gesicht eine Gestalt.
Achtet auf den Anfang. Der Anfang ist wichtig. Romame leben davon, wie erzählt wird.“

Wo schaut die Erzählung hin?
Ein Metzger schlachtet ein Lamm. Es geht um Tod, ein Messer, Schnitt, geballte Kraft. So fängt es an.

Auf einer Flippchart werden nun die Namen der Personen angeschrieben, die im Roman vorkommen.

Autor: „Namen kommen nicht von alleine. Der Name muss zur Figur passen, sie sind wichtig.“
Herr Braun liest nun aus verschieden Kapiteln vor, um die Schüler nach ihren Vorstellungen zu den einzelen Charakteren zu befragen. Lebhafte Wortmeldungen und Fragen zeigen, dass das Kino im Kopf wirkt. Das Vorantreiben der Handlung durch die einzelen Charaktere wird analysiert.

Wie erzeugen Sie Spannung?
Autor: Der Roman hat Innenperspektive. Es gibt hier keinen Erzähler, der alles weiß. Aus den Erinnerungen und Wahrnehmungen der einzelenen Personen entsteht die Geschichte. Es gibt Hinweise in jedem Kapitel. Der Leser weiß mehr, da er ja alle Gedanken und Gefühle kennt. Es ist eine Suchgeschichte. Er muss erraten. Was passiert mit dem Opfer? Dies ist ein Mittel,
um Spannung zu erzeugen.


Herr Braun mit den Deutschkursen im Gespräch Herr Braun im Schülergespräch

Mitten in die Diskussion läutet unerbittlich die Schulglocke. Die angeschnitten Fragen konnten nicht mehr geklärt werden. Das Versprechen aber bleibt: Baustein zwei wird erfüllt. Die Schüler dürfen ihren selbstgeschriebenen Krimi an den Autor schicken. Herr Braun wird diesen lesen und kommentieren.
Baustein drei: Herr Braun wird uns noch einmal besuchen.
Im Rahmen des Workshops wird der Schriftsteller mit den Schülern gemeinsam ihre Essays besprechen.


von links: Lehrerin Fr. Malpricht, Bibliothekarin Fr. Krauß-Banse,
Hr. Braun und Lehrerin Fr. Philipp

letzte Änderung: 04.05.2010