IGSLO im Gespräch mit Christian Schad


Antworten zu Evangelium, Visionen und Werten

Schad stellt sich Schülerfragen – Gesprächsreihe an Integrierter Gesamtschule Oggersheim


Christian Schad, Präsident der evangelischen Kirche der Pfalz

Speyer/Ludwigshafen (lk). Über ökumenische Visionen, ethische Werte, Gott und die Welt sprach Kirchenpräsident Christian Schad mit Schülern der Integrierten Gesamtschule Ernst Bloch Ludwigshafen-Oggersheim (IGSLO). Schad saß rund 70 jungen Leuten aus zwei evangelischen und zwei katholischen Religionskursen der 11. Klassenstufe gegenüber. Der Kirchenpräsident war im Rahmen der Reihe „IGSLO im Gespräch“ eingeladen worden.

Neben Fragen zum persönlichen Werdegang, wie der eigenen religiösen Erziehung, dem Entschluss zum Theologiestudium und den Aufgaben als Kirchenpräsident stand das Thema Ökumene im Mittelpunkt. Ob er eine Einheit für möglich halte, beantwortete Schad mit dem Hinweis, dass für ihn Ökumene nicht Fusion bedeute. Es sei gut, dass unterschiedliche christliche Traditionen existierten. Das Christentum sei von Anfang an vielfältig gewesen. Seine „ökumenische Vision“ sei, dass man sich gegenseitig als Kirche Jesu Christi anerkennen und miteinander Abendmahl feiern könne, ohne die „Dialekte“ zu einer Einheitssprache einzuebnen.

Er wünsche sich, dass evangelische und katholische Kirche im Blick auf die Gottesdienstgemeinschaft näher zusammenrückten, sagte Schad. Es gebe beispielsweise Regionen in der Pfalz, in denen 70 Prozent der Ehen konfessionsverbindend seien. Dass an der Erstkommunion von Kindern aus solchen Ehen das evangelische Elternteil nicht teilnehmen könne, finde er „unter ganz menschlichen Aspekten schmerzlich“. Ob er sich vorstellen könne, zum Katholizismus zu konvertieren, beantwortete Schad klar mit „nein“. Er würde aber auch selbst eine Konversion von niemandem erwarten.

Aufgabe aller kirchlichen Amtsträger sei es, nicht sich selbst, sondern Jesus Christus als das Haupt der Kirche in den Vordergrund zu rücken, antwortete Schad auf die Schülerfrage, ob es richtig sei, dass es den Papst als Oberhaupt der Kirche gebe. Die „evangelische Variante“ sei für ihn überzeugender, so Schad, als wenn „der Glanz des Papstes das wahre Haupt der Kirche verdeckt“. Ob evangelisch oder katholisch, es komme darauf an, kritisch auf sich selbst zu blicken: „Bist du Zeuge des Evangeliums? Du sollst nicht meinen, du seist das Evangelium selber.“

Das Wichtigste an Religion sei ihr Beitrag für ein friedliches Miteinander auf der Erde, sagte Schad. Altes und Neues Testament seien eine Grundlage, woraus sich moralische Grundsätze ableiten ließen. Die Zehn Gebote, das Doppelgebot der Liebe, die Bergpredigt dienten als Vorbilder. Allerdings bleibe die Kirche, auch er selbst, in der Praxis oft hinter diesen Haltungen zurück. „Es wäre gut, hier strahlender, erkennbarer zu sein“, so der Kirchenpräsident.


Anke Lind (Pfarrerin), Schulleiterin Gaby Lausberg und Christian Schad, Schülerinnen und Schüler der MSS 11

Mit dem Besuch des Kirchenpräsidenten an der Oggersheimer Integrierten Gesamtschule lebte die im Vorjahr ausgesetzte Reihe „IGSLO im Gespräch“ wieder auf. Zu Gast waren in der Vergangenheit u.a. Auschwitz-Überlebende, die den Schülern von ihren Erfahrungen berichtet und ihnen Rede und Antwort gestanden hatten. Schulpfarrerin Anke Lind und Schüler Christoph Hannig hatten den Kirchenpräsidenten bei der Herbstsynode 2011 der Landeskirche zum Schwerpunktthema evangelischer Religions-unterricht eingeladen.

20. Januar 2011

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letzte Änderung: 22.01.2012